Rückblick: Der Andere Gottesdienst

Am 30. August fand zum ersten Mal der "Andere Gottesdienst" statt, ein neues Gottesdienstformat, das von einem Ehrenamtlichen-Team gestaltet wird. Gemeinsames Frühstück, Möglichkeit zum Mitgestalten und einen guten Austausch - dies und anderes gab es dabei zu erleben.

Um 10 Uhr war im Bietigheimer Bienenstock alles vorbereitet für unser Arbeitsfrühstück, mit dem wir starteten: Kaffee, Tee, Hefekuchen und Brezeln, die Besucher durften sich sozusagen an die gedeckten Tische setzen. Allerdings sollte natürlich auch etwas gearbeitet werden.
 
Wir starteten mit dem Aussuchen der Lieder. Vom Team wurden einige Lieder vorgeschlagen, die Besucher durften je einen StrichStriche vergeben für ihre fünf Favoriten und somit hatten wir dann fünf sehr schöne Lieder für die Feier. 
"Sommerfrische" war das Thema der Andacht und an jedem der Tische konnten Gedanken zu diesem Thema eingebracht werden. Bald schon waren alle eifrig bei der Sache und ins Gespräch vertieft. 
 
Bei dem Arbeitsfrühstück hatten die Teilnehmer auch die Gelegenheit, Fürbitten zu formulieren und diese dann selbst vorzutragen oder vom Team vortragen zu lassen.
Mit dem originalen Glockenläuten der Muggensturmer Kirche konnten wir nach einer halben Stunde des Austauschs mit der Feier, im Stuhlkreis sitzend (auch das war anders) beginnen.
 
Das Ergebnis unserer Arbeit war eine feierliche Andacht mit schönen Texten (siehe unten), ansprechenden Fürbitten und gegenseitiger Auffrischung des Glaubens, indem die Teilnehmer jeweils ihrem Nachbarn ein Kreuzzeichen mit Wasser aus der Taufschale spendeten.
 
 
Wir, die Anderen, freuen uns auf die nächste Feier mit Ihnen am 8. November im Bibi
 
Uwe Dielmann, Christine Ettwein, Magdalene Josenhans, Iris Pinkinelli, Iris und Norbert Rauscher, Peter Walter
 
Andacht: Sommerfrische – Wenn die Seele aufatmet
 
Psalm 23,2–3: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.“
 
Sonne strahlt durch die Wolken über bergiger Landschaft
 
Das Wort Sommerfrische klingt heute fast ein wenig altmodisch. Früher bedeutete es, für einige Wochen dem Alltag zu entfliehen – hinaus aufs Land, in die Berge oder an einen See. Man wollte frische Luft atmen, neue Kraft schöpfen und das Leben für eine Weile entschleunigen.
 
Auch heute sehnen sich viele Menschen danach. Unsere Tage sind oft dicht gefüllt. Das Telefon klingelt, Nachrichten erreichen uns rund um die Uhr, Termine bestimmen den Kalender. Selbst in der Freizeit fällt es schwer, wirklich zur Ruhe zu kommen.
 
Der Sommer erinnert uns daran, dass das Leben mehr ist als Arbeit und Verpflichtung. Er zeigt uns eine andere Seite des Daseins. Die Sonne wärmt unsere Haut, Blumen blühen in leuchtenden Farben, Felder stehen kurz vor der Ernte, und an einem stillen Abend hören wir das Zwitschern der Vögel oder das Rascheln der Blätter im Wind. Solche Augenblicke sind kostbar. Sie lassen uns für einen Moment vergessen, was uns belastet. Sie schenken Frieden.
 
Genau dieses Bild greift der 23. Psalm auf. Der Beter spricht von grünen Auen und frischem Wasser. Das sind Orte, an denen Mensch und Tier leben können. Orte, an denen niemand Angst haben muss. Orte, an denen neue Kraft wächst. Vielleicht ist das die eigentliche Bedeutung der Sommerfrische: nicht möglichst weit wegzufahren, sondern einen Ort zu finden, an dem die Seele wieder atmen kann. Manche Menschen finden diesen Ort am Meer. Andere in den Bergen. Wieder andere auf einer Bank im eigenen Garten, beim Spaziergang durch den Wald oder beim Blick in den Abendhimmel.
 
Gott ist nicht nur in großen Kirchen oder in besonderen Stunden gegenwärtig. Er begegnet uns auch in seiner Schöpfung. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, entdeckt Spuren seiner Güte überall: im Duft einer Rose, im Lachen eines Kindes, im Schatten eines alten Baumes oder im leisen Plätschern eines Baches.
 
Die Natur lebt uns zudem einen wichtigen Rhythmus vor. Es gibt Zeiten des Wachsens, Zeiten des Blühens, Zeiten der Ernte und Zeiten der Ruhe. Kein Baum trägt das ganze Jahr Früchte. Kein Feld wird ohne Pause bestellt. Alles hat seine Zeit.
 
Nur wir Menschen meinen manchmal, immer funktionieren zu müssen. Doch Gott hat uns nicht als Maschinen geschaffen. Schon die biblische Schöpfungsgeschichte erzählt davon, dass auf die Arbeit die Ruhe folgt. Ruhe ist kein Luxus. Sie gehört zum Leben, weil sie ein Geschenk Gottes ist.
 
Vielleicht fragen wir uns heute: Was erfrischt eigentlich meine Seele?
Ist es ein gutes Gespräch? Ein stiller Morgen mit einer Tasse Kaffee? Das Zusammensein mit der Familie? Musik? Ein Gebet? Oder einfach das Gefühl, dass ich nicht alles allein tragen muss?
Jeder Mensch wird diese Frage anders beantworten. Doch eines gilt für uns alle: Die Seele braucht Pflege – genauso wie der Körper. Wer nur arbeitet und nie innehält, verliert irgendwann die Freude. Wer sich dagegen Zeiten der Stille gönnt, entdeckt oft neue Hoffnung.
 
Der Sommer kann uns daran erinnern. Wenn wir später auf diesen Sommer zurückblicken, werden wir wahrscheinlich nicht zuerst an das Wetter denken. Wir werden uns an Begegnungen erinnern, an gemeinsames Lachen, an einen schönen Sonnenuntergang, an den Duft frisch gemähten Grases oder an einen Abend, an dem wir einfach nur dankbar waren. Das sind die Augenblicke, in denen Gott uns oft ganz nahe ist.
 
Darum wünsche ich uns allen eine echte Sommerfrische – nicht nur für den Körper, sondern vor allem für das Herz. Mögen wir Zeit finden zum Ausruhen, zum Staunen und zum Danken. Mögen wir Kraft schöpfen für die Aufgaben, die vor uns liegen, und immer wieder erfahren, was der Psalmbeter bekennt: „Er führt mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele.“
 
Peter Walter, Kirchengemeinderat